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API-Entwicklung & Integration: Systeme nahtlos verbinden
APIs sind das Rückgrat moderner IT-Landschaften: Sie verbinden ERP, CRM, E-Commerce, Data-Plattformen, Identity und interne Fachanwendungen. Damit Integration nicht zu einem Netz aus Einzellösungen wird, brauchen Schnittstellen ein sauberes Design, klare Verantwortlichkeiten und eine Betriebs- und Sicherheitsstrategie. Sonst entstehen typische Symptome: „Shadow-Integrationen“, unklare Datenhoheit, fragile Jobs und ein hoher manueller Aufwand.
Dieser Artikel zeigt, wie API-Entwicklung und Systemintegration in der Praxis funktionieren: Auswahl passender Schnittstellentypen (REST, GraphQL, gRPC, Webhooks), API-First Design, Security, Versionierung, Tests und Observability – inklusive Tooling und einer umsetzbaren Vorgehensweise.
Typische Integrationsprobleme in Unternehmen
In gewachsenen IT-Umgebungen existieren oft mehrere Systeme für ähnliche Domänen (Kundendaten, Aufträge, Produkte). Ohne klare Integrationsarchitektur entstehen Probleme, die sich mit „noch einem Endpoint“ nicht lösen:
- Medienbrüche und manuelle Arbeit: Daten werden per Export/Import, E-Mail oder Copy&Paste übertragen.
- Inkonsistente Daten: Systeme widersprechen sich; niemand weiß, welches System die Wahrheit („System of Record“) ist.
- Fragile Schnittstellen: Änderungen an Feldern oder Payloads brechen Downstream-Prozesse.
- Sicherheitsrisiken: API-Keys im Code, zu breite Berechtigungen, fehlende Rate Limits.
- Betriebsblindheit: Fehlende Logs/Tracing; Fehler werden erst durch Anwenderbeschwerden sichtbar.
Eine robuste API-Strategie hängt eng mit DevSecOps und Betriebsdisziplin zusammen, z. B. über DevSecOps-Integration und Monitoring & Observability.
API-First: Design vor Implementierung
API-First heißt nicht „viel Dokumentation“, sondern ein vertraglich klares Interface, bevor Implementierung und Konsumenten parallel entwickeln. Der Vorteil: Weniger Reibungsverluste, klare Erwartungshaltung und bessere Testbarkeit.
OpenAPI/Swagger und klare Konventionen
Für REST hat sich OpenAPI als Standard etabliert:
- OpenAPI: https://www.openapis.org/
- Swagger: https://swagger.io/
Wichtig sind einheitliche Konventionen, z. B.:
- Ressourcen und Benennung (Plural, konsistente Pfade),
- Pagination/Filtering/Sorting,
- Fehlerformat (stabil, maschinenlesbar),
- Idempotenz (besonders bei POST/Retry-Szenarien),
- Korrelation (Request-ID/Trace-ID für Debugging).
API-First lohnt sich besonders in Multi-Team-Setups: Der Vertrag erlaubt parallele Arbeit, Contract Tests sichern die Kompatibilität.
REST, GraphQL, gRPC und Webhooks: wann welches API-Pattern?
Nicht jede Schnittstelle muss REST sein. Entscheidend ist der Use Case: Datenmodell, Konsumenten, Performance, Evolvierbarkeit und Betriebsanforderungen.
REST (HTTP Ressourcen)
REST ist ideal, wenn Ressourcen klar modellierbar sind und viele Tools/Clients unterstützt werden müssen. Gute REST-APIs sind:
- ressourcenorientiert (nicht „doSomething“-Endpunkte),
- vorhersagbar (HTTP-Statuscodes, Caching, ETags),
- evolvierbar (Backward Compatibility, additive Changes).
GraphQL (Client definiert Bedarf)
GraphQL eignet sich, wenn Clients (z. B. Web/Mobile) flexible Datenabfragen brauchen und „Over-/Under-Fetching“ in REST zum Problem wird.
- GraphQL: https://graphql.org/
Wichtige Praxispunkte: Query-Komplexität begrenzen, Caching-Strategie definieren, Security/Authorization auf Feldebene sauber lösen.
gRPC (Service-to-Service)
gRPC ist häufig sinnvoll für interne Service-to-Service-Kommunikation mit strikten SLAs, hoher Performance und stabilen Contracts:
- gRPC: https://grpc.io/
Es ist weniger geeignet als Public API für externe Partner, aber stark für interne Plattformen.
Webhooks und Events (asynchron integrieren)
Viele Integrationen werden zuverlässiger, wenn sie asynchron sind:
- Webhooks für „push“ bei Ereignissen (z. B. Bestellung erstellt),
- Events/Message Broker (Kafka, RabbitMQ etc.) für entkoppelte Verarbeitung.
Asynchronität reduziert direkte Abhängigkeiten, erfordert aber klare Regeln für Zustellung (Retry, Dead Letter, Idempotenz).
Sicherheit und Compliance: APIs als Angriffsfläche behandeln
APIs sind produktionskritisch und oft öffentlich erreichbar. Deshalb ist eine Security-Baseline Pflicht:
- OAuth 2.0 / OpenID Connect für Nutzer- und Delegationsszenarien
- OAuth 2.0: https://oauth.net/2/ - OpenID Connect: https://openid.net/developers/how-connect-works/
- mTLS und Service Identity für interne Service-Kommunikation
- Least Privilege in Scopes/Rollen (nicht „admin“ für alle)
- Rate Limiting/Quota gegen Missbrauch und Fehlkonfiguration
- Input Validation und saubere Fehlerantworten (keine Leaks)
Als Leitplanke für typische Schwachstellen ist OWASP API Security Top 10 hilfreich:
- OWASP API Security Top 10: https://owasp.org/www-project-api-security/
Security gehört in die Pipeline und ins Betriebsmodell: Policies, Secrets-Management, Audit-Logging und regelmäßige Reviews. Inhaltlich passt das zu DevSecOps-Integration und Security & Compliance Beratung.
Betrieb, Observability und Performance
Eine API ist erst dann „fertig“, wenn sie zuverlässig betrieben werden kann. Dafür braucht es klare SLOs, Monitoring und Debuggability.
Observability-Basics
- Metriken: Latenz (p95/p99), Fehlerraten, Throughput, Saturation
- Logs: strukturierte Logs mit Request-/Correlation-ID
- Tracing: Distributed Tracing über Service-Grenzen hinweg
- Synthetische Checks: Verfügbarkeit von kritischen Endpoints
SLOs und Incident-Prozesse sind hier kein Overhead, sondern Kostenkontrolle:
Performance und Zuverlässigkeit
Typische Maßnahmen:
- Pagination standardisieren (z. B. cursor-based bei großen Datenmengen),
- Caching (HTTP Cache, CDN, serverseitig, Data Loader bei GraphQL),
- Timeouts, Retries und Circuit Breaker in Clients,
- Idempotency Keys für POST bei Retry-Mechanismen,
- klare Backpressure-Strategie (Rate Limits, Queues, Async).
API Gateway, Management und Developer Experience
Ab einer gewissen Anzahl von APIs lohnt sich ein API-Management-Layer (z. B. für Auth, Throttling, Routing, Logging, Developer Portal).
Beispiele (Hersteller-neutral):
- Kong Gateway: https://konghq.com/kong/
- Apigee: https://cloud.google.com/apigee
- AWS API Gateway: https://aws.amazon.com/api-gateway/
- Azure API Management: https://azure.microsoft.com/products/api-management/
Für die tägliche Arbeit sind Tools für Testing und Kollaboration entscheidend:
- Postman: https://www.postman.com/
- Pact (Consumer-Driven Contract Testing): https://pact.io/
Vorgehensmodell: von Discovery bis Betrieb
Damit API-Projekte nicht in „ein paar Endpoints“ enden, hat sich ein schlankes Vorgehen bewährt:
1) Discovery und Domänen-Schnitt
- Ziele und Prozesse klären (wer konsumiert, wofür?),
- Domänen/Bounded Contexts definieren,
- System-of-Record und Datenverantwortung festlegen,
- Integrationsmuster wählen (Sync/Async, REST/Events).
2) Design und Governance
- OpenAPI/Schema definieren, Naming/Conventions festlegen,
- Error Model, Pagination, Versionierung, Security-Scopes,
- Deprecation Policy und Ownership (Team/Produkt) vereinbaren.
3) Implementierung und Automatisierung
- CI/CD für Builds, Tests, Security Scans (siehe CI/CD-Pipeline-Aufbau),
- Infrastruktur und Konfiguration reproduzierbar (siehe Automatisiertes Config Management und Infrastructure as Code),
- Rolling Deployments/Feature Toggles nach Bedarf.
4) Tests, Vertragssicherheit und Rollout
- Contract Tests (provider/consumer) für Kompatibilität,
- Load/Performance Tests für kritische Flows,
- Monitoring/SLOs, Alerting, Runbooks.
Checkliste: „Ready for Production“ für APIs
- OpenAPI/Schema aktuell und versioniert
- AuthN/AuthZ mit klaren Scopes, Secrets sicher verwaltet
- Rate Limits/Quotas definiert, sensible Endpoints geschützt
- Einheitliches Error Model + Idempotenzstrategie
- Observability (Metriken/Logs/Tracing) inkl. Dashboards
- Deprecation Policy + Kommunikationsweg für Änderungen
- Runbooks und Incident-Prozess für kritische APIs
Fazit
Moderne API-Entwicklung ist mehr als Implementierung: Sie verbindet Domänenverständnis, sauberes Contract-Design, Security, Tests und eine Betriebsstrategie. Wer REST/GraphQL/gRPC gezielt einsetzt, Schnittstellen konsequent versioniert und Observability als Standard etabliert, reduziert Integrationskosten und erhöht die Lieferfähigkeit über Teams und Systeme hinweg.