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Platform Engineering: Warum interne Plattformen Teams schneller machen
Platform Engineering beschreibt den Ansatz, eine interne Plattform zu bauen, die Produktteams im Alltag entlastet: Deployments, Provisioning, Observability, Security-Standards und Dokumentation werden so bereitgestellt, dass Teams sie self-service nutzen können. Ziel ist nicht „mehr Tools“, sondern ein verlässlicher Weg vom Code in den Betrieb – mit weniger Reibung.
Wichtig ist die Abgrenzung: Platform Engineering ist kein Ersatz für DevOps, sondern eine Spezialisierung, die typischerweise dann entsteht, wenn viele Teams und Services auf einer gemeinsamen Infrastruktur arbeiten. Statt dass jedes Team alles selbst löst (oder alles über Tickets läuft), entsteht ein „paved road“: ein guter Standardweg, der schnell und sicher ist.
Was ist eine Internal Developer Platform (IDP)?
Die Internal Developer Platform (IDP) ist das Produkt, das aus Platform Engineering heraus entsteht. Sie ist meist eine Kombination aus:
- standardisierten CI/CD-Templates und Deployment-Pipelines,
- wiederverwendbaren Infrastruktur-Bausteinen (z. B. Datenbank, Queue, Storage),
- zentralen Standards für Logging, Monitoring, Tracing,
- Guardrails für Security, Compliance und Kosten,
- einer Dokumentation, die nicht nach zwei Wochen veraltet ist.
Viele IDPs bieten zusätzlich ein Entwickler-Portal, in dem Teams Services anlegen, Umgebungen bestellen oder Deployments auslösen können. Entscheidend ist aber nicht das Portal, sondern die End-to-End-Erfahrung: „Ich brauche X“ → „Ich bekomme X“ ohne Handarbeit und ohne Spezialwissen.
Warum Platform Engineering plötzlich überall Thema ist
In kleinen Setups reicht oft eine gute CI/CD-Pipeline plus ein paar Skripte. Mit mehr Teams, mehr Services und mehr Anforderungen wächst aber die Komplexität:
- Jede Abteilung baut „ihre“ Pipeline, ihr Monitoring, ihre Deployment-Logik.
- Onboarding dauert Wochen, weil implizites Wissen fehlt.
- Security- und Compliance-Anforderungen werden spät geprüft und bremsen Releases.
- Betrieb ist ungleichmäßig: manche Services sind gut beobachtbar, andere sind Black Boxes.
Platform Engineering versucht, diese Komplexität zu reduzieren, indem Standards nicht nur dokumentiert, sondern lieferbar gemacht werden.
„Golden Paths“: Standards, die man gerne nutzt
Ein Golden Path ist ein Standardweg, der so bequem ist, dass Teams ihn freiwillig nutzen. Das klappt, wenn er:
- schneller ist als der „eigene Weg“,
- die wichtigsten Anforderungen abdeckt (z. B. Logging, Alerts, Rollback),
- erweiterbar ist, ohne direkt zu zerbrechen.
Beispiel: Ein Team erstellt einen neuen Service und bekommt automatisch:
- ein Repository-Template mit CI/CD,
- eine standardisierte Deployment-Strategie,
- Dashboards und Alerts,
- sinnvolle Defaults für Ressourcen und Limits,
- nachvollziehbare Policies (nicht zehn versteckte Gates).
Ein guter Golden Path ist nicht starr. Er ist ein Ausgangspunkt, der Teams produktiv macht, und gleichzeitig ein Rahmen, der Qualität und Sicherheit absichert.
Typische Bausteine einer Plattform
Eine Plattform muss nicht „alles“ können. In der Praxis liefern Plattformteams häufig Bausteine wie:
CI/CD als Produkt
Wiederverwendbare Pipelines, die Tests, Builds und Deployments konsistent machen. Dazu gehören klare Release-Mechaniken, Artefakt-Strategien und schnelle Feedbackzeiten.
Infrastructure as Code und Self-Service-Provisioning
Wenn Infrastruktur als Code verfügbar ist, kann man Umgebungen zuverlässig reproduzieren und Self-Service ermöglichen – ohne dass jede Änderung manuell „durch die Infrastruktur“ muss.
Observability als Standard
Teams brauchen im Betrieb Antworten: Was ist kaputt, warum ist es kaputt, und wie schnell lässt es sich beheben? Eine Plattform sollte deshalb Logging, Metrics, Tracing und Dashboards standardisieren.
Dokumentation und Runbooks
Plattformarbeit ist nur dann wirksam, wenn sie auffindbar und verständlich ist: How-tos, „Day-2“-Guides, Troubleshooting und klare Ownership.
Guardrails statt Gates: Governance, die nicht bremst
Viele Organisationen versuchen Qualität und Sicherheit über zusätzliche Freigaben zu erzwingen. Das führt oft dazu, dass Teams Umwege finden oder Releases seltener werden.
Guardrails funktionieren anders: Sie bauen Standards so ein, dass das „Richtige“ einfach ist. Beispiele:
- sichere Defaults (z. B. TLS, Secrets-Handling, minimale Berechtigungen),
- Policies als Code, die transparent sind,
- klare, automatisierte Checks statt manueller Abnahmen.
So bleibt Geschwindigkeit erhalten, ohne dass Sicherheit und Compliance nachträglich „draufgeschraubt“ werden.
Woran erkennt man, ob Platform Engineering wirkt?
Die Wirkung zeigt sich weniger in der Anzahl der Plattform-Features, sondern in messbaren Verbesserungen:
- schnelleres Onboarding neuer Teammitglieder,
- weniger Zeit für „Plumbing“ (Pipeline/Infra/Monitoring) pro Service,
- stabilere Deployments (weniger Rollbacks, weniger Incident-Spitzen),
- bessere Betriebsfähigkeit (klarere Dashboards, schnellere Fehlersuche).
Viele Teams orientieren sich dabei an DORA-Metriken (Lead Time, Deployment Frequency, Change Failure Rate, MTTR). Nicht als KPI-Show, sondern um Verbesserungen sichtbar zu machen.
Wie startet man pragmatisch?
Ein guter Start ist selten ein „Big Bang“. Häufig funktioniert ein inkrementelles Vorgehen besser:
- Ein konkretes Problem wählen (z. B. Deployments dauern zu lange, Monitoring ist inkonsistent).
- Einen Golden Path für einen Service-Typ bauen und mit einem Team pilotieren.
- Feedback ernst nehmen und iterieren (Plattform als Produkt, nicht als Projekt).
- Schrittweise weitere Use Cases integrieren.
Wichtig: Plattformteams sollten wie Produktteams arbeiten. Es gibt Nutzer (Entwickler), es gibt Anforderungen, und es gibt einen klaren Nutzen, der überprüfbar sein muss.
Häufige Fehler in Platform-Projekten
- Die Plattform wird ein Ticket-System („wir deployen für euch“ statt Self-Service).
- Standards werden definiert, aber nicht geliefert (Dokumentation ohne Automatisierung).
- Man baut „die perfekte Plattform“, bevor ein konkreter Use Case gelöst ist.
- Ownership ist unklar: Wer betreibt die Plattform, wer entscheidet über Standards, wer unterstützt Teams?
Platform Engineering funktioniert dann am besten, wenn es Teams autonomer macht – nicht abhängiger.
Fazit
Platform Engineering ist eine Antwort auf wachsende Komplexität: Statt dass jedes Team Infrastruktur- und Betriebsdetails neu erfindet, liefert eine interne Plattform einen schnellen, sicheren Standardweg. Wenn Golden Paths, Self-Service und klare Guardrails zusammenkommen, werden Releases planbarer, Betrieb transparenter und Teams spürbar produktiver.