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IT für Rechenzentren & Datacenter

4 Min. Lesezeit

Rechenzentren sind hochstandardisierte Produktionsumgebungen: Änderungen müssen planbar sein, Ausfälle teuer und Skalierung ist Alltag. Gleichzeitig steigen Anforderungen an Automatisierung (NetOps/InfraOps), Mandantenfähigkeit und Nachvollziehbarkeit. Wer Datacenter‑IT erfolgreich betreibt, behandelt Infrastruktur wie Software: versioniert, getestet, reproduzierbar ausgerollt.

Dieser Artikel beleuchtet typische Technik‑ und Betriebsbausteine in Datacentern: moderne Netzwerk‑Fabrics (EVPN/VXLAN), Bare‑Metal Provisioning, Source‑of‑Truth‑Modelle, Observability sowie Migration und Konsolidierung.

Typische Anforderungen in Datacenter‑Umgebungen

  • Hohe Verfügbarkeit: Wartung ohne Downtime, Redundanz in Netz/Compute/Power.
  • Skalierbarkeit: Prozesse müssen von 100 auf 10.000 Systeme wachsen.
  • Change Safety: Änderungen müssen nachvollziehbar und reversibel sein.
  • Standardisierung: Baselines verhindern Drift und reduzieren Betriebsrisiko.
  • Mandantenfähigkeit: Isolation und Governance, oft mit Self‑Service‑Anforderungen.

Viele dieser Anforderungen lassen sich durch IaC und Automatisierung deutlich besser beherrschen:

Netzwerk: Spine‑Leaf, BGP/EVPN und VXLAN in der Praxis

Moderne Datacenter‑Netze setzen häufig auf Spine‑Leaf mit L3‑Underlay und EVPN/VXLAN als Overlay. Vorteile:

  • Skalierbarkeit und klare Failure‑Domains
  • Multi‑Tenancy/Segmentierung ohne „VLAN‑Spaghetti“
  • konsistente, automatisierbare Konfiguration

Wichtig ist das Betriebsmodell: Naming/Addressing‑Standards, Template‑basierte Konfiguration und ein Source‑of‑Truth‑System, das die „Wahrheit“ für Interfaces, IPs, VLANs/VRFs hält.

Source of Truth: NetBox/Nautobot und Network Automation

Ein Source of Truth reduziert manuelle Fehler und macht Automation möglich:

Typische Automationspfade:

  • Ports/Interfaces/VRFs werden im SoT gepflegt,
  • Konfigurationen werden aus Templates generiert,
  • Deployments laufen über CI/CD oder Automationsrunner,
  • Änderungen sind per PR reviewbar, Audit‑fähig und wiederholbar.

Für „Network as Code“ wird oft Ansible genutzt:

Bare‑Metal Provisioning: von „Rack to Ready“ automatisiert

Bare‑Metal bleibt relevant: für Storage‑Cluster, virtualisierte Plattformen, Kubernetes‑Worker, Firewall‑Appliances oder Performance‑sensitive Workloads. Wichtige Bausteine:

  • PXE/iPXE‑Boot, Kickstart/Preseed, Cloud‑Init
  • BIOS/UEFI‑Settings automatisiert (wo möglich)
  • standardisierte Images/Profiles
  • automatische Aufnahme ins Monitoring und Inventory

Beispiele für Provisioning‑Tools:

Observability im Datacenter: nicht nur „Server up“

Datacenter‑Monitoring umfasst häufig mehr als klassische Host‑Metriken:

  • Switch‑Telemetrie (Interfaces, BGP Sessions, Drops)
  • Out‑of‑Band (BMC/IPMI, Redfish) für Hardwarezustand
  • DCIM‑Signale (PDU‑Last, Temperatur, Klimatisierung – je nach Setup)
  • Kapazitätsplanung (Rack‑Power, Ports, IP‑Pools, Storage)

Sinnvoll ist ein integrierter Ansatz, der Metriken/Logs/Traces (wo relevant) und aussagekräftige Dashboards kombiniert:

Standardisierung, Patchen und Drift‑Vermeidung

Auch im Datacenter gilt: Drift entsteht durch „Sonderfälle“. Abhilfe schaffen:

  • Baselines per Config‑Management (Accounts, Hardening, Agenten),
  • definierte Patch‑Wellen und Wartungsfenster,
  • reproduzierbare Changes statt „Handarbeit am Switch“.

Weiterführend:

Migration und Konsolidierung: pragmatisch planen

Datacenter‑Projekte sind oft Migrationsprojekte: Hardware‑Refresh, Netz‑Umbau, Plattformwechsel, Konsolidierung. Erfolgsfaktoren:

  • Parallelbetrieb und klare Cutover‑Pläne
  • Messbarkeit (Latenz, Drops, Fehlerraten) während Migration
  • Rollback‑Strategien und Testfenster
  • Dokumentation/Runbooks für häufige Störungen

Typische Deliverables (ohne Overhead)

  • Zielarchitektur (Netz/Compute/Storage), Standards und Naming
  • Source‑of‑Truth Modell + Automation‑Pipelines
  • Provisioning‑Workflow „Server in 30–60 Minuten produktionsbereit“
  • Monitoring‑Dashboards + Alerting‑Konzept (signalbasiert)
  • Runbooks für Netz-/Provisioning‑Incidents und Wartungsarbeiten

Change Management im Datacenter: Wartung ohne Überraschungen

Datacenter‑Änderungen sind selten „klein“: Netz‑Umbauten, Firmware‑Updates, Kernel‑Reboots oder Spine/Leaf‑Erweiterungen haben große Blast Radii. Ein praxistauglicher Ansatz kombiniert Technik und Prozess:

  • Wartungsfenster mit klaren Scope‑Grenzen (was wird geändert, was nicht?)
  • gestaffelte Rollouts (z. B. Leaf‑Paarweise, Cluster‑weise) statt großflächiger „Big Bang“ Changes
  • Pre-/Post‑Checks automatisieren (BGP Sessions, Interface Drops, Service Health)
  • Rollback‑Pfad definieren (Konfig‑Rollback, Ersatzhardware, Traffic‑Umleitung)

Observability ist dabei nicht nur „Nice to have“, sondern Teil der Risikoreduktion: Sie sehen früh, ob eine Änderung den Betrieb beeinflusst.

FAQ

Braucht jedes Datacenter EVPN/VXLAN?

Nicht zwingend. EVPN/VXLAN lohnt sich besonders bei Skalierung, Multi‑Tenancy und komplexen Segmentierungsanforderungen. In kleineren Setups kann ein einfacher, gut standardisierter L3‑Ansatz ausreichend sein.

Wie startet man mit einem Source of Truth?

Mit einem kleinen Scope: Racks, Devices, Interfaces und IP‑Pools. Wichtig ist, dass Änderungen über das SoT laufen und nicht parallel „in Excel“ gepflegt werden – sonst entstehen schnell Doppelwahrheiten.

Woran erkennt man, dass Automatisierung wirkt?

Wenn Provisionierung und Changes reproduzierbar sind: neue Server sind schnell im Inventar, im Netz korrekt angebunden und im Monitoring sichtbar – ohne manuelle Nacharbeit.

Welche ersten Automationsschritte lohnen sich am meisten?

Meist ist der größte Hebel ein durchgängiger Workflow von SoT → Konfig‑Generierung → Deployment (mit Review) sowie automatische Aufnahme ins Monitoring/Inventory. Damit werden Standardchanges schnell und sicher, und man reduziert „Handarbeit am Switch“ deutlich.

Fazit

Datacenter‑IT wird beherrschbar, wenn Infrastruktur als Code betrieben wird: mit Source of Truth, automatisierten Provisioning‑ und Change‑Prozessen sowie Observability, die Fehlersuche und Kapazitätsplanung unterstützt. So lassen sich Skalierung und Verfügbarkeit erreichen, ohne dass der Betrieb mit jeder zusätzlichen Rack‑Reihe exponentiell komplexer wird.

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