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Cloud-Strategie & Migrationsplanung: Der Weg zur Cloud

5 Min. Lesezeit

Eine Cloud‑Strategie übersetzt Geschäftsziele in ein technisches und organisatorisches Zielbild: Welche Workloads sollen wohin (Public/Private/Hybrid), wie werden Kosten und Risiken gesteuert, und wie sieht ein Migrationspfad aus, der Betriebssicherheit erhöht statt neue Komplexität zu schaffen?

Cloud‑Migration ist dabei selten ein reines Infrastrukturprojekt. Entscheidend sind Governance, Identity, Netz, Security, Observability und ein Betriebsmodell, das Teams langfristig handlungsfähig macht.

Warum Cloud‑Projekte ohne Strategie oft teuer werden

Ohne klares Zielbild entsteht „Cloud Sprawl“: Teams provisionieren Ressourcen, aber Standards fehlen. Typische Folgen:

  • Kosten laufen weg: Overprovisioning, fehlende Abschaltung, unklare Tagging-/Ownership‑Modelle.
  • Security- und Compliance‑Lücken: IAM-Wildwuchs, fehlende Logging‑Standards, unklare Datenklassifizierung.
  • Betrieb wird schwerer: Monitoring/Backup/DR sind nicht konsistent, Verantwortung ist diffus.
  • Lock‑in ohne Plan: Dienste werden genutzt, ohne Exit-Strategie oder Portabilitätsentscheidung.

Ein gutes Assessment verhindert Fehlstarts:

Zielbild definieren: Cloud ist ein Betriebsmodell

Bevor Workloads migriert werden, sollten Mindeststandards stehen:

Landing Zone (Grundlage für sichere, skalierbare Cloud)

Eine Landing Zone ist der standardisierte Rahmen für Accounts/Subscriptions, Netz, Identity und Policies. Typische Bausteine:

  • Organisationsstruktur (Accounts/Subscriptions/Management Groups)
  • Netzwerkmodell (VPC/VNet, Segmentation, DNS, Egress/Ingress)
  • Identity/IAM (SSO, Rollen, Least Privilege, Break‑Glass)
  • Logging/Audit (zentral, manipulationssicher, Retention)
  • Baseline‑Policies (z. B. „no public storage“, „encryption by default“)
  • Deployment‑Standards (IaC, Pipeline‑Templates)

Landing Zone ist nicht „nice to have“: Sie entscheidet, ob Migration später geordnet und auditierbar bleibt.

Governance und Kostensteuerung (FinOps pragmatisch)

Kostenkontrolle funktioniert nur mit Ownership:

  • Tags/Labels verpflichtend (Owner, Cost Center, Environment, Data Class)
  • Budgets/Alerts pro Team/Produkt
  • Unit Economics für kritische Services (Kosten pro Anfrage/Transaktion)
  • Lifecycle-Regeln (Abschalten, Rechte, Reservierungen)

Die 6R‑Strategien: Workloads richtig klassifizieren

Die „6 R’s“ helfen, für jede Anwendung eine passende Migrationsstrategie zu wählen – und damit Aufwand und Nutzen realistisch zu planen.

Rehost (Lift & Shift)

Schnell, aber selten kosteneffizient im Zielbetrieb. Sinnvoll als Übergang, wenn:

  • Zeitdruck hoch ist,
  • Legacy‑Systeme kurz-/mittelfristig abgelöst werden,
  • Abhängigkeiten zunächst entkoppelt werden müssen.

Replatform (Lift & Reshape)

Kleine Anpassungen mit großem Effekt, z. B. Managed Datenbank statt Self‑Hosted. Typischer Sweet Spot: überschaubarer Aufwand, klarer Betriebsgewinn.

Repurchase (SaaS)

Ersetzen statt migrieren: sinnvoll, wenn das System kein Differenzierungsmerkmal ist und SaaS besser/aktueller ist. Wichtig: Datenmigration, Integrationen, Identity und Compliance.

Refactor / Re‑architect

Cloud‑native Neuarchitektur (z. B. Container, event-driven, serverless). Hoher Aufwand, aber maximaler Nutzen, wenn die Anwendung strategisch ist und lange lebt.

Retain

Nicht alles gehört in die Cloud. Gründe können sein: Latenz, Spezialhardware, regulatorische Vorgaben, Lizenzmodelle oder Kosten.

Retire

Abschalten ist oft der beste Business Case. Migration ist ein guter Zeitpunkt für Portfolio‑Bereinigung.

Migrationsplanung: von der Liste zur umsetzbaren Roadmap

1) Portfolio-Discovery und Abhängigkeiten

Neben „welche Apps“ sind Abhängigkeiten entscheidend:

  • Datenflüsse (wer schreibt/liest welche Daten?)
  • Schnittstellen/Batch‑Jobs
  • Integrationspunkte (Identity, Messaging, Fileshares)
  • Betriebsabhängigkeiten (Monitoring, Backups, Zertifikate)

2) Wellenplanung („Migration Factory“ statt Einzelprojekte)

Statt 30 Einzelprojekte parallel zu starten, bewährt sich ein Wellenmodell:

  • Pilot‑Welle (repräsentativ, aber überschaubar)
  • Standard‑Wellen (wiederholbares Muster)
  • Sonderfälle (Legacy/High‑Risk)

Wellen brauchen klare Definitionen: Done‑Kriterien, Risiko‑Check, Rollback‑Plan, Monitoring‑Baseline.

3) Betrieb und Resilienz von Anfang an

Cloud‑Migration ohne Betriebsmodell verschiebt Risiko nur. Daher gehören früh dazu:

  • Observability‑Standard (Logs/Metriken/Tracing)
  • Backup/Restore‑Nachweise und DR‑Tests
  • Incident‑Prozess und SLOs für kritische Services

Weiterführend:

Security & Compliance in der Cloud: baseline first

Cloud macht Security nicht einfacher – aber automatisierbarer. Typische Baselines:

  • Verschlüsselung standardmäßig (at rest / in transit)
  • Secrets Management, Schlüsselrotation, klare Verantwortlichkeiten
  • Policy-as-Code und automatisierte Compliance Checks
  • SAST/Dependency Scans in CI/CD (Supply Chain)

Weiterführend:

IaC als Voraussetzung für skalierbare Cloud‑Adoption

Reproduzierbarkeit und Auditierbarkeit entstehen durch Code:

IaC ist nicht nur „Provisionierung“, sondern auch Governance: Standards werden in Modulen/Templates gegossen, Änderungen sind reviewbar, Rollbacks möglich.

Checkliste: Was vor der ersten Migrationswelle stehen sollte

  • Landing Zone steht (Accounts/Netz/IAM/Logging/Policies)
  • Tagging/Ownership und Kostensteuerung sind definiert
  • CI/CD und IaC Standards existieren (Templates, Module, Reviews)
  • Observability‑Baseline ist bereit (Dashboards, Alerts, Logs)
  • Backup/Restore und DR‑Konzepte sind festgelegt
  • Datenklassifizierung und Compliance‑Anforderungen sind geklärt
  • Wellenmodell und Done‑Kriterien sind dokumentiert

Exit-Strategie und Datenmigration: früh klären, nicht „später“

Zwei Themen werden in Cloud‑Roadmaps oft zu spät konkret: Datenmigration und Exit. Praktisch hilft es, früh festzulegen, wie Daten bewegt (Sync‑Fenster, Cutover, Validierung) und wie ein Provider‑Wechsel grundsätzlich möglich bleibt (Datenformate, IaC‑Abstraktion, portable Runtime‑Bausteine).

FAQ

Welche Workloads migriert man zuerst?

Oft nicht die „größten“, sondern die, die repräsentativ sind und schnell Lerngewinne bringen: klar abgegrenzte Services, überschaubare Abhängigkeiten, guter Business‑Value. Pilot‑Wellen sollen Muster etablieren, nicht Heroics produzieren.

Wie verhindert man eine Kostenexplosion in der Cloud?

Mit Ownership (Tags/Labels), Budgets/Alerts, Right‑Sizing und einem klaren Lifecycle für Ressourcen. FinOps ist weniger Tooling als Verantwortlichkeit plus Transparenz.

Wie geht man mit Vendor Lock-in um?

Lock‑in ist nicht per se schlecht, aber er muss bewusst sein. Entscheidend sind Exit‑Optionen (Datenformate, IaC‑Abstraktion, portable Runtimes) und ein Architekturentscheidungslog, der Trade‑offs dokumentiert.

Fazit

Eine gute Cloud‑Strategie macht Migration planbar: Sie definiert Zielbild, Standards und Governance, bevor Workloads bewegt werden. Mit Landing Zone, IaC, Observability und einer Wellenplanung entsteht ein Cloud‑Betriebsmodell, das Kosten und Risiken steuert – und gleichzeitig die Grundlage für Skalierbarkeit und schnelle Delivery schafft.

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