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IT für Systemhäuser

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Systemhäuser liefern in kurzer Zeit Ergebnisse bei sehr unterschiedlichen Kunden: neue Plattformen, Migrationen, Security‑Verbesserungen, Betrieb und Support. Gleichzeitig sind Kapazität und Spezialwissen nicht immer dauerhaft planbar – besonders bei Themen wie Kubernetes, Cloud‑Architektur, IaC, CI/CD oder Observability.

Dieser Artikel beschreibt, wie Systemhäuser moderne DevOps‑ und Plattformprojekte effizient umsetzen können: mit klaren Deliverables, standardisierten Vorgehensweisen und einem Übergabemodell, das Kunden langfristig betreibbar macht.

Typische Herausforderungen in Systemhaus‑Projekten

  • viele parallele Kundenprojekte mit unterschiedlichen Reifegraden
  • hohe Erwartung an Geschwindigkeit („Go‑Live in Wochen“)
  • heterogene Umgebungen (On‑Prem, Hybrid, Multi‑Cloud)
  • begrenzte Expertenkapazität für Spezialthemen
  • Übergaben in Kundenbetrieb, oft unter Zeitdruck

Viele dieser Herausforderungen lassen sich über Standardisierung und wiederverwendbare Bausteine entschärfen.

Bausteine, die sich in Kundenprojekten bewährt haben

Reproduzierbare Infrastruktur (IaC) statt „ClickOps“

IaC schafft Nachvollziehbarkeit, Auditierbarkeit und Wiederholbarkeit – besonders wichtig bei wiederkehrenden Projekttypen (Landing Zone, Netzwerk, Kubernetes, Observability‑Stack).

CI/CD als Liefermotor (inkl. Change Safety)

Standardisierte Pipeline‑Templates reduzieren Fehler und machen Übergaben leichter, weil der Prozess dokumentiert und automatisiert ist.

Observability als Bestandteil des Deliverables

„Fertig“ heißt: im Betrieb steuerbar. Dashboards, Alerts und Runbooks gehören zur Abnahme – nicht als „Phase 2“.

Security/Compliance: sichere Defaults statt Einzelmaßnahmen

Security wirkt am besten als Standard: IAM‑Baselines, Logging/Audit, Patch‑Prozesse, Secrets‑Handling und automatisierte Checks.

Zusammenarbeit: Modelle, die in der Praxis funktionieren

Je nach Projektphase und Kundenkontext sind verschiedene Unterstützungsmodelle sinnvoll:

  • Projektunterstützung: temporär zusätzliche Kapazität für Migrationen/Einführungen.
  • Spezialisten‑Einsatz: punktuell für Architektur, Plattform‑Design, Troubleshooting.
  • 2nd/3rd Level Support: Eskalationshilfe bei komplexen Incidents oder Plattformproblemen.
  • Enablement: Team‑Training und gemeinsame Umsetzung, damit Know‑how im Systemhaus bleibt.

Wichtig ist ein klares „Definition of Done“ pro Deliverable (inkl. Übergabe‑Artefakte).

Übergabe und Wissenssicherung als Projekterfolgskriterium

Gerade im Systemhaus‑Umfeld entscheidet eine saubere Übergabe über Kundenzufriedenheit und Folgeaufwände:

  • Runbooks für häufige Aufgaben/Incidents,
  • dokumentierter Deploy‑/Rollback‑Pfad,
  • Monitoring/Alerting mit klaren Handlungsanweisungen,
  • geübte Standardfälle (Restore‑Test, Incident‑Simulation).

Weiterführend:

Typische Szenarien (praxisnah)

  • Cloud‑Migration beim Kunden, aber es fehlt Erfahrung mit Landing Zone/IAM/Netz
  • Kubernetes‑Einführung inkl. Security/Observability und GitOps‑Betrieb
  • Stabilisierung einer CI/CD‑Kette (zu langsam, zu viele manuelle Schritte, flaky Tests)
  • Aufbau eines MSP‑ähnlichen Service‑Katalogs und Standardisierung für viele Kunden

Passende Branchenbezüge:

Qualitätssicherung und Abnahme: weniger Diskussion, mehr Evidenz

In Systemhaus‑Projekten entsteht Reibung oft an einem Punkt: Abnahme. „Es läuft doch“ reicht nicht, wenn der Kunde Betriebssicherheit erwartet. Ein pragmatisches Abnahmemodell schafft Klarheit, ohne ein Bürokratiemonster zu bauen.

Bewährt hat sich eine Definition of Done pro Deliverable, die technische Evidenz einschließt:

  • Reproduzierbarkeit: Änderungen sind versioniert, reviewbar und wiederholbar (IaC/CI/CD statt ClickOps).
  • Betriebssicht: Monitoring/Alerting und ein minimales Runbook‑Set sind vorhanden.
  • Security‑Baseline: Secrets‑Handling, IAM‑Rollen, Logging/Audit und Patch‑Prozess sind definiert.
  • Rollback/Recovery: Rollback‑Pfad oder Recovery‑Pfad ist beschrieben und einmal geübt.

Das reduziert Eskalationen nach Go‑Live und macht Projektfortschritt messbar. Besonders in regulierten Umgebungen hilft „Evidenz“ auch gegenüber Prüfern oder internen Revisionen.

Blueprints und Standard‑Deliverables: wiederholbare Projekte bauen

Viele Systemhäuser gewinnen Zeit und Qualität, wenn sie wiederverwendbare Blueprints etablieren – nicht als starre Schablone, sondern als „Golden Path“ für 80% der Fälle. Beispiele:

  • Landing‑Zone/Netz/IAM als Paket (inkl. Logging/Tagging‑Standards)
  • Kubernetes‑Baseline (Ingress, Policies, Monitoring, Backup‑Anbindung)
  • CI/CD Template (Build/Test/Security/Deploy + Artefakt‑Promotion)
  • Observability‑Stack (Dashboards, Alerts, Runbook‑Links)

Ein Blueprint muss nicht perfekt sein, aber konsistent: gleiche Struktur, gleiche Begriffe, gleiche Übergabe‑Artefakte. So werden Angebot, Umsetzung und Betrieb leichter skalierbar – und Spezialfälle bleiben bewusst Ausnahme statt Regel.

FAQ

Wie bleibt ein Blueprint flexibel genug für unterschiedliche Kunden?

Indem er Standards und Schnittstellen definiert (z. B. „Monitoring‑Baseline“, „IAM‑Modell“), aber optionale Module erlaubt. Das Ziel ist Wiederverwendbarkeit für 80% der Fälle, nicht ein starres Einheitsprodukt.

Wie reduziert man Eskalationen nach Projektende?

Durch Acceptance Criteria inklusive Betrieb: Dashboards/Alerts, Runbooks, Rollback/Restore‑Tests und klarer Ownership‑Transfer. „Betriebssicht“ muss Teil der Abnahme sein.

Wie unterstützt man Kundenprojekte ohne Wissensverlust im Systemhaus?

Durch Enablement: Pair Working, kurze Trainings, Templates und ein gemeinsamer Review‑Prozess. So bleibt Know‑how im Team und muss nicht jedes Mal neu aufgebaut werden.

Wie bleibt die Zusammenarbeit effizient, wenn viele Parteien beteiligt sind?

Mit klaren Schnittstellen: ein gemeinsamer Entscheidungslog (ADRs), ein verbindlicher Change‑Kanal (PRs/Tickets) und eindeutige Abnahmekriterien. Das reduziert Abstimmungsaufwand und verhindert doppelte Arbeit.

Fazit

Systemhäuser profitieren besonders von wiederverwendbaren Standards: IaC‑Module, Pipeline‑Templates, Observability‑Baselines und klare Übergabe‑Artefakte. Gerade bei Projektspitzen zahlt sich das aus. Damit werden Projekte schneller, sicherer und besser skalierbar – ohne dass Qualität und Betreibbarkeit bei jedem Kundenprojekt neu verhandelt werden müssen.

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